Diese Arbeit war seiner Zeit Teil meiner Bewerbungsmappe zum Kunststudium.

"I can"- das heißt "ich kann". Und das sind die Initialen der "International Campaign to Abolish Nuclear Weapons" einer 2007 im australischen Melbourne gegründeten Bewegung zur Abschaffung aller Atomwaffen. Das Osloer Nobelpreiskomitee hat ICAN den diesjährigen Friedensnobelpreis zugesprochen. (...) ICAN war maßgeblich am UN-

Abkommen zur Ächtung von Nuklearwaffen beteiligt, das im Septemberin New York von mehr als 50 Staaten unterzeichnet wurde und damit in Kraft getreten ist."

 

Die Rheinpfalz, Samstag 7.Oktober 2017

 

Wie wir wissen, lehnte auch Deutschland sowie die Atommächte, die Unterzeichnung ab. Dies wird eine der wichtigsten Forderungen an die nächste Bundesregierung sein, dies zu tun. Verbunden mit der Forderung (die auch die FDP schon aufstellte, die Grünen sowieso), die Atomwaffen von Büchel im Hunsrück aus Deutschland abzuziehen.

Die drohenden, verbalen Eskapaden zwischen dem twitternden Fake-News-Para-noikers und wohl unbelehrbaren Show-Egomanen Trump im Weissen Haus in Washing-ton und den nicht weniger dubiosen Machthabern in Nordkorea, lässt die Welt erschüttern. Werden wir Zeugen und womöglich Opfer eines Atomkrieges, der im Jahre 2017 seinen Anfang nahm?

 

Das bringt mich als Siebzigjährigen in meine Jugend zurück, als ich 1968 den Kriegs-dienst bei der Bundeswehr verweigerte, u.a. aus eben diesen Gründen, nämlich, dass man der Idee der Abschreckung, angesichts des Gefahrenspotentials, eigentlich nicht zustimmen könne. Es setzt ein Menschenbild voraus, das ausschließlich rational funktioniert, aber viele Unwägbarkeiten, sowohl menschlicher, als auch technischer Art, außer Acht lassen würde.

Spätestens als Rekrut sei mir klar geworden, sagte ich bei Anhörungen in Prüfungs-ausschüssen, dass ich konkret bei Atomschlägen viel besser geschützt sei als meine Eltern, die ich schließlich beschützen sollte als Soldat. Obwohl klar sei, dass sich Deutschland - damals BRD und DDR - in ein Inferno verwandeln würde, sollten atomare Waffen in einem Krieg zwischen Ost und West zum Einsatz kommen.

 

1983 war ein schöner Sommer, meine Freundin Gretel und ich heirateten und wir feierten in Heidelberg ein riesiges Fest. Wir waren vorher beide u.a. bei der großen Demonstration gegen die Nachrüstung der Nato in Bonn, wo Fünfhunderttausend auf den Beinen waren. Die Rüstung mit Kurzstreckenraketen, die auf dem Teritorium der BRD stattfand und weswegen der Warschauer Pakt zu recht beunruhigt sein musste.  Würden sie ihre Atomraketen schicken, um der Bedrohung zuvor zu kommen? Na, das wohl nicht, hofften wir. Trotzdem fanden wir diese Aufrüstung für unnötig und nur dem Ergeiz eines Bundeskanzlers Helmut Schmidt war es zu verdanken, der sich unter "den Großen der Welt" gerne wohlfühlte. Die Amerikaner waren anfangs garnicht begeistert, denn die atomare Abschreckung funktionierte im globalen Maßstab, da kam es auf kleine Unverhältnismäßigkeiten garnicht an...

Doch Helmut Schmidt ließ nicht locker, wie es seine Art war und die Amerikaner freuten sich letztlich über die Rüstungsaufträge für ihrer Wirtschaft. Dass dann Helmut Kohl als Bundeskanzler der CDU/CSU diese Politik weiter trieb war klar, nachdem der ergeizige Kanzler wegen diesem fragwürdigen, gefährlichen Manöver sein Amt verlor, weil er keinen Rückhalt mehr hatte in der SPD, und der Koalitionspartner FDP nun mit der CDU /CSU zusammen die neue Regierung stellte.

 

In diesem Sommer 1983 war die weltpolitische Lage sehr angespannt, weswegen auch, wie gesagt, Hunderttausende, nicht nur in Bonn auf die Straße gingen und kreative Demonstrationsformen erfanden. Würde ein Funke genügen, um die Welt in Brand zu setzen? Diese und andere Fragen befeuerten die Diskussionen und gab den Grünen und Teilen der SPD, vielen gewerkschaftlichen - und auch religiösen Gruppen der christ-lichen Kirchen großen Auftrieb. Dass die DDR, wie wir heute wissen können, diese breite Opposition unterstützte, war klar, aber angesichts der großen Bedrohung nicht maßgebend. Revolution und Konterrevolution war Teil des Kalten Krieges weltweit. Die Devise von Helmut Schmidt, samt allen Reaktionären in CDU/CSU, war: "Lieber tot als rot". Diese Alternative stellte sich nicht, sondern entsprang den Köpfen von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren der Wermacht...., ein unsehliges Vermächtnis deutscher Geschichte!      

 

Was so gut wie keiner damals in der allgemeinen Technikbegeisterung wahrhaben wollte - auch wenig Wissenschaftler äußerten sich kritisch -, war das, was junge Leute, zu denen ich gehörte, 1968 für möglich hielten, dass es technische Gründe für einen Atomkrieg "aus Versehen" geben könnte. Das war nämlich 1983 der Fall, wie später bekannt wurde: Ein hoher russischer Offizier, der die amerikanischen Atomraketen per Satelit überwachen sollte, namens Wassely Petrow, bekam die Meldung, dass die Computer einen Start von fünf der amerikanischen Atomraketen anzeigten. Eigentlich hätte er sofort den atomaren Gegenschlag auslösen müssen, doch er sagte sich, dass die Amerikaner wohl kaum mit lediglich fünf Raketen angreifen würden und interpretierte die Meldung als Computerfehler, was es auch gewesen ist: Ein Softwarefehler, der Computer in einem Satelit interpretierte das Aufblitzen der Sonne hinter Wolken als Startblitz von amerikanischen Raketen. Wassely Petrow wurde später wegen dieser "Befehlsverweigerung" zu einer allerdings milden Strafe verurteilt. Man muss wissen: Befehlslage war, dass er eigentlich alles Weitere, nachdem er "auf den Knopf gedrückt hätte", den Computern hätte überlassen sollen, was unweigerlich  Atomschläge ausgelöst hätte. Eine Kettenreaktion weltweit wäre die Folge gewesen... Petrow hat sich dieser Logik entzogen, seiner Intuition verdanken wir und unseren Nachkommen alle unser Leben. Ein hochrangiger pensionierter amerikanischer CA-Mitarbeiter sagte im Interview, in einer großangelegten Fernseh-Serie über die Gefahren des Kalten Krieges nach Weihnachten dieses Jahres: "Wassely Petrow ist ein Held!"  

 

Und was haben wir nun, 2017 und danach, als Problem? Nicht die Technik versagt sehr wahrscheinlich im Falle USA kontra Nordkorea, sondern womöglich der Mensch in seiner ideologischen und pathologischen Verblendung. Von wegen Abschreckung! 

 

Norbert Ernst Herrmann,

letzte Änderung:

08.März 2018