Bilder von Ausstellungen (Auswahl) in Berlin 2010, in Kaiserslautern 2012, in Karlsruhe 2014, in Neustadt 2015/16/17, der Ausstellung im Künstlerhaus Schirnding 2016, der Gruppenausstellung 2017 in der Galerie Beck/Naumann im Saarland, der Internationalen Kunstmesse Innsbruck sowie Entwürfe, die noch der Realisierung harren...(Bitte womöglich etwas warten - wir leben im "digitalen Steinzeitland" (Stand 2018) Deutschland -, dann bauen sich die Bilder in rascher Abfolge auf...)

(Zur Vergrößerung der Bilder bitte auf das Bild tippen.)

 Zu meiner Kunst, jüngster Text, wie er auch in einer Grafik- Mappe meiner Arbeiten erscheint, die von der Galerie Beck aus Homburg/Saar herausgegeben wird:

 

Gewonnen habe ich meine Bildideen durch eine Analyse des Werks von Victor Vasarely, 
dem 1997 verstorbenen Mitbegründer der Optical-Art. Er schuf ein beeindruckendes 
Werk ambivalenter Wahrnehmungsformen, die sich in vielen Bildern als dritte Dimen-sion der betrachtenden Person aufdrängen, was überraschende Bewegung erzeugt und seiner Zeit für scharfe Kontroversen sorgte (siehe Max Bill kontra Vasarely). Heute sind die beiden Solitäre in den Konstruktivistischen und Konkreten Kanon friedlich einge-meindet... 

Doch die Muster Vasarelys bleiben gestalterisch auf der selben Anschauungsebene und 
sind in der Regel durch symmetrische Grundformen (Kreis,Quadrat, Sechseck, usw.) 
aufgebaut. Auch wenn er sie in einigen Werken nicht selten an der äußeren Form an-
schneidet, um damit illusionistische Wahrnehmungsreize zu erzeugen.

Meine Konzeption besteht darin, dass ich die geschlossene Symmetrie der Grundfor-men durch Teilformen ersetze - zum Beispiel durch Dreiviertelkreise - und erhalte so eine gestalterisch fragile Figur/Grundbeziehung als Grundelement. Durch Drehen und die Kombination dieses vervielfachten Grundelements im Bildraum entstehen so aus dem Inneren der Muster heraus Formationen, die als Hintergrund potentiell angelegt sind und nun visuell in den Vordergrund drängen (oder nicht!) Die widersprüchlichen Anschauungsebenen von Vordergrund und Hintergrund können im Weiteren durch eine willkürliche “falsche” Schattengebung in eine visuelle Spannung versetzt werden. Die natürliche Augenbewegung des betrachtenden Menschen sieht diesen Vorgang als “Hin-und Her” von sich sehr ähnlichen Formen, was den paradoxen Eindruck verstärkt.

 

Es kommt mir auf die Entwicklung und dieses sprunghafte Umschlagen von Wahrneh-
mungsformen an, die dem Changieren zwischen Realität und Fiktion (Massenmedien, 
Film, Internet, Ideologien, Kriegen) und den zwiespältigen Konsequenzen unserer heutigen Zeit Ausdruck geben, ohne die Distanz zur betrachtenden Person aufzugeben, die subjektiv Inhalte aus ihrem eigenen, konkreten Leben assoziativ selbst entscheiden wird, - so oder so!
Ambivalente Seherfahrungen zielen also in meiner Kunst darauf ab, eine visuell relativ 
starke Irritation zu bewirken. Es gibt aber auch Tendenzen, die für Entwicklung und Eindeutigkeit sorgen, in der Wirklichkeit, so auch in manchen meiner Bilder. Diese Irritation mag Unsicherheit bedeuten, kann aber auch Lust machen, sich mit seinem oft widersprüchlichen Denken, Empfinden und Handeln auseinander zu setzen - z.B.: was sind Fake-News, was nicht?-, ein Verhaltensrepertoire, das in unserer komplizierten Welt für uns alle schier unausweichlich wird.

 

Fazit: Der Sinn für Mehrdeutigkeit, Paradoxes, Differenz und Dissonanz wirkt dem fata-
len, weit verbreiteten Hang nach rigoroser, willkürlicher Vereindeutigung komplexer 
Sachverhalte entgegen und ist heute, aber vor allem zukünftig, wichtiger denn je, will die Menschheit als Spezie überleben.

 

Norbert Ernst Herrmann
15.12.2017

Sehen Sie mehr in Praxis und Theorie auf meiner anderen Homepage in Sachen Kunst: www.herrmannkunst.de  

 

Hier möchte ich noch ein Lesevergnügen des Philosophen und Medienwissenschaftlers Dieter Mersch einfügen, der sich in fünf Thesen mit der Frage beschäftigt, was in der Kunst und Kultur überhaupt "Innovation" bedeuten kann. Hier sei seine erste These zitiert:

“Kreativität, kulturelle Innovation und besonders die künstlerische Produktivität wird meist gekoppelt an Erfindungen eines “Neuen”. Die Frage ist, wie Neues als Neues erkannt werden kann, beziehungsweise wie wir es als solches überhaupt verstehen können.

Hintergrund:
Neuerungen in Kunst und Kultur werden meist mit Widerstand begleitet. Die frühen 
Konzerte der Neuen Musik (...) endeten in Prügeleien, ebenso - nach einer Phase des
bürgerlichen Unverständnisses und der Ignoranz in Zürich - die Soireen der Dadaisten
in Paris. Diese Ablehnungen sind weniger das Zeichen eines Ressentiments, als viel-mehr einer systematischen Schwierigkeit, die man “epistemologisch” nennen könnte, und die darin besteht, dass Neues nur verständlich gemacht werden kann, wenn es auf “Altes” zurückbezogen wird, wovon es sich absetzt. Ein radikal Neues, weil unbezogen, ist gar nicht verständlich.
Umgekehrt kann Neues aber auch nicht nur auf der Variation eines “Alten” beruhen

( dasselbe, nur ein wenig anders ), denn dann wäre es kein Neues mehr. Neuheit liegt vielmehr “irgendwo dazwischen”, sodass wir es immer mit dem Problem der Interpre-tierbarkeit zu tun haben. Das Neue ist deshalb notwendig Gegenstand einer Beunru-higung, einer Unsicherheit in Bezug auf die Kriterien und Kategorien, die wir auf es anwenden und mit dem wir es beschreiben können.”

 

(Kunstforum International Bd. 250 Oktober-November 2017, S.164)

 

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26.April 2018

Norbert Ernst Herrmann