Als freier Künstler arbeite ich an innovativen Konzepten der Kunst und fühle mich den Ursprüngen vom Konstruktivismus verbunden. Was heißt "Konkret-konstruktiv"? Die Kunsthalle Messmer definiert in ihrem Prospekt diese Kunstrichtung wie folgt:

"Die Bezeichnung Kostruktivismus reicht zurück auf die abstrakte Reliefkonstruktionen Wladimir Tatlins und die suprematistischen Werke von Kasimir Malewitsch um 1914. Der Begriff "konstruktiv" bezeichnet dabei die bis dahin "abstrakt" genannten ungegenständliche Malerei und Plastik. Er betont, dass die Gestaltung nicht von einem Abstraktionsvorgang ausgeht, sondern Linie, Fläche und Farbe als autonome künstlerische Mittel eingesetzt werden.

"Konkret" ist eine Arbeitsweise, bei der Künstler ihr Werk nach einem vorab festgelegten, z.B. einem geometrisch-mathematischen Konzept ausführen und somit der spontanen gestalterischen Handlung bewusst Grenzen setzt."

 

Sehen Sie Bilder meiner künstlerischen Praxis auf meiner ersten, heute abge-schlossenen Internetpräsenz www.herrmannkunst.de (Vielleicht im eigenen Fenster den Link aufmachen?) oder auch zu meiner Theorie, so, wie ich sie in der ersten Zeit meiner künstlerischen Entwicklung aus den Formen von Kreis und Quadrat, wie ich sie bei Viktor Vasarely in seinen grundlegenden   Überlegungen vor fand.  

 

In jedem Falle sollten Sie sich die Rubrik hier "Wie alles anfing..." anschauen.  Und natürlich Kunstwerke unter der Rubrig Kunst / Jüngere Arbeiten.

 

 

Im Folgenden ein Text, den ich im Künstlerhaus Schirnding 2016 bei einer Einzelaussterllung vorstellte:

 

 

 

Kunst, jenseits von Figuration und klassischer Abstraktion.

 

Themen meiner freien Kunst sind nicht spezielle Inhalte, die meines Erachtens sowieso im Rauschen der Ambivalenzen heutiger Kommunikationsformen untergehen und der medialen Bilderflut lediglich eine beliebige „Künstler-Meinung“ hinzufügen könnte. Alle Kunstschaffende sind jedoch, wie nahezu jeder Mensch, mehr oder weniger in das Geschehen ihrer Zeit involviert. Je nach Temperament, Weltanschauung und Sensibilität geben sie diesem direkt oder indirekt, bewusst oder unbewusst Ausdruck, was sich selbst in der Abwendung von allem Weltgeschehen Geltung verschaffen kann, - aber zweifellos nicht muss! Einen Determinismus gibt es in Kunst und Kultur nicht…

 

 Seit AnGleichwohl und in diesem Sinne, können konstruktive Elemente zur Verdichtung von wahrgenommenen Eindrücken künstlerisch genutzt werden. Anfang des 20. Jahrhunderts geschieht das auf vielfältige Weise und heute nahezu auf der ganzen Welt. Ambivalente „Seh-Erfahrungen“ zielen in meinen Arbeiten darauf ab, eine psychisch und intellektuell relativ starke Irritation zu bewirken, die den Verwerfungen und vieldeutigen Optionen unserer Zeit Ausdruck geben.

 

Am Anfang der Moderne beschäftigten sich bekanntlich viele Künstler ( und viele tun das auch noch heute) mit der Vermeidung der Beziehung von Figur und Grund in der zweidimensionalen Darstellung des Bildes. Das heißt, sie versuchten Elemente ihres Sujets auf der gleichen visuellen Ebene darzustellen. Sie wollten so dem Zwang der Perspektive entgehen (siehe Kubismus). Aber auch allein die Farbe hat, wie wir wissen, räumliche Wirkung. Ich gehe den umgekehrten Weg und dynamisiere Figur und Grund, schaffe also Räume, oft unter Einbeziehung der Farbe, nicht zuletzt durch eine nicht selten paradoxe Schattengebung, die auf  scheinbare, unterschiedliche Lichtquellen verweisen.

 

Warum? Ganz einfach: Man weiß in der Tradition der abendländischen Kunst, dass „Licht“ bedeutungsmäßig das Synonym für „Wahrheit“ ist. Doch welche Wahrheit ist gemeint? Es pluralisiert und polarisiert sich heutzutage die Weltwahrnehmung und demzufolge die Wertentscheidungen der Menschen zusehends. Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. „Das komplexe Ursachengeflecht heutiger Krisen schafft immer neue Gründe für Krisen und Konflikte, die sich für schwer lösbare vernetzten Kriegen und Gewaltspiralen aufschaukeln können“, analysiert der Wissenschaftler Prof. Jürgen Scheffran warnend (1). Jeder Blick in die Medien kann einem das täglich bestätigen…

Was nicht bedeutet, dass es keine Wahrheiten und den Unterschied zwischen Gut und Böse gibt. Aber die Gewissheiten in diesem Zusammenhang schwinden, vieldeutige Optionen des Denkens, Fühlens und oft widersprüchlichen Handelns tun sich auf. Der Zwang zu Entscheidungen des „So-oder-So-Handelns“ kann uns aber niemand abnehmen, weil auch das Nichtstun handeln ist.

Unsere Visualität jedenfalls, ist prinzipielle in der Lage, widersprüchliche Zusammen-hänge in der bildlichen Darstellung zu erkennen und zu bewerten. Subjektiv wird jeder dies bei einigem Nachdenken auf allgemeine Vorgänge in Kultur und Gesellschaft sowie auch auf sein eigenes Leben beziehen können, wo täglich eine Vielzahl von Handlungs-optionen auf uns warten - man nimmt sie wahr oder nicht -, deren Konsequenzen nicht selten äußerst widersprüchlichen Charakter haben können. Manchmal ist uns das bewusst, nach Sigmund Freud meist nicht…

 

Roland Barthes sagte über die Mythen des Alltags: „Der Mythos von der condtio humana stützt sich auf eine sehr alte Mystifikation, die seit jeher darin besteht, auf den Grund der Geschichte die Natur zu setzen. Der klassische Humanismus postuliert, dass man, wenn man ein wenig an der Geschichte der Menschheit kratzt oder der oberfläch-lichen Verschiedenheit ihrer Haut sehr schnell zur tieferen Schicht einer universalen menschlichen Natur gelange. Der fortschrittliche Humanismus muss dagegen stets daran denken, die Begriffe umzukehren, die Natur, ihre „Gesetzmäßigkeiten“ und ihre „Grenzen“ unaufhörlich aufzureißen, um darin die Geschichte zu entdecken und endlich die Natur selbst als historische zu setzen.“(2)"

 

Norbert Herrmann,

April 2016

 

Anm. (1)

Scheffran, Jürgen, Artikel: „Kettenreaktion außer Kontrolle“, Blätter für deutsche und internationale Politik, 3/16

 

Anm. (2)

Bartes, Roland, „Mythen des Alltags“, Frankfurt am Main, 1974, S.16ff

 

Norbert Herrmann

letzter Eintrag:

03.03.2017